Susan Krüger wurde nach dem Abitur Schneiderin. Das war Anfang der 90iger Jahre in der Wendeumbruchzeit. Doch dabei blieb es nicht.

Da sie die Natur liebt, mit ihrem Pferd gern Wiesen und Felder durchstreift und leidenschaftlich gärtnert, kam alles anders. Sie hängte den gelernten Beruf 1994 an den Nagel und studierte Landespflege. Nachdem sie erst  in einem Architekturbüro arbeitete, wurde sie  2002 meine Büropartnerin in Magdeburg. Seit dieser Zeit sind wir befreundet.

Trotz ihrer vier Kinder und ihrer Selbständigkeit als Landschaftsarchitektin hat sie unermüdlich gute Ideen. Die setzt sie voller Überzeugung und mit viel Elan um. So auch die fertige Staudenmischungen für Grabstellen. Eine Idee mit Zukunft, denn die Mischungen heben sich deutlich ab von dem, was man auf Gräbern sonst so sieht.

Auf der BUGA 2021 in Erfurt wird man ihre Zusammenstellungen bestaunen können. Aufgepflanzt sind sie auch in der Gärtnerei Weinreich in Wolmirstedt. Dort werden diese kleinen Pakete für ihre Kunden produziert und von dort überall hin verschickt.

Pflanzen in schönen Kombinationen – Wie es zu der Idee kam

Im Laufe der Zeit, war ich hin und wieder mit Friedhofsumgestaltungen befasst. Zu oft sah ich Eintönigkeit, pragmatische Pflanzungen aus Stiefmütterchen, Efeu und Cotoneaster oder Gräber, die hermetisch mit aufpolierten Steinplatten abgedeckt waren. Die Last der Hinterbliebenen schien mir schwer und die Unsicherheit Vieler bei der Grabpflege und Pflanzenverwendung groß.

Ich wünschte mir, dass Friedhöfe Orte wären, die neben der Möglichkeit zu trauern, auch Trost und Erleichterung spenden.

Meine Antwort waren pflegeleichte und dennoch schöne Pflanzenzusammenstellungen. Solche, die nicht ständig neu gekauft und dann akribisch gehegt und gepflegt werden müssen.

Gern wollte ich den Angehörigen die Grabpflege erleichtern. Der erste Schritt zur Verwirklichung dieser Idee war getan, indem ich Bepflanzungssets entwickelte. All mein Wissen und meine Erfahrungen mit Pflanzen konnte ich in diese kleinen schönen Pflanzenpakete einfließen lassen.

In der Literatur und im Internet fand ich sehr wenig zur Verwendung von Stauden auf Gräbern. Viele Vorschläge waren mir zu unrealistisch und alltagsuntauglich.

Es sollten Bepflanzungssets sein die:

  • mit wenig Wasser auskommen
  • die dennoch natürlich schön und abwechslungsreich sind
  • die den Boden gut bedecken und daher auch Unkraut unterdrücken

Ich wollte vorher alles ausprobieren um zu wissen, wie viel Pflege tatsächlich nötig ist, um ein ansprechendes Bild herzustellen. Seit 2017 habe ich in der Staudengärtnerei Weinreich in Wolmirstedt mein eigenes kleines Versuchsfeld auf einer Fläche von 25m². Diese Fläche kann ich nach Herzenslust bestücken.

Wie Ihr vielleicht wisst, waren die Sommer der letzten 3 Jahre hier bei uns im Regenschatten des Harzes ganz besonders trocken. Auch der lange, wirklich knackige Frost im Frühjahr 2018 war verhältnismäßig extrem.

Meine Sets wurden auf eine harte Probe gestellt. Ich habe sie nur so viel wie nötig gepflegt und vor allem gegossen. Wirklich nur maximal 1x im Monat, wenn mein Mitleid für meine Schützlinge doch zu groß geworden ist, habe ich ihnen eine kleine Portion Wasser gegeben. Alle Pflanzen haben die Tortur mit Bravour überstanden und so kann ich stolz behaupten, meine Kombinationen haben sich wirklich bewährt.

 

10 Tipps für eine pflegeleichte Grabgestaltung

Wenn Du auf der Suche nach einer pflegeleichten Grabbepflanzung bist, findest Du hier meine Tipps:

Zunächst frage Dich, wie sind die Standortbedingungen auf dem Grab. Wenn du es leicht haben möchtest, müssen die Pflanzen zum Standort, d.h. zum Licht und zum Boden passen.

Tipp 1:  Das Licht bestimmt die Auswahl der Pflanzen

Während die Heidenelke Dianthus deltoides oder der Polsterphlox Phlox subulata z.B. besonders sonnenhungrig sind, lieben es Elfenblumen Epimedien-Arten oder Haselwurz Asarum-Arten eher schattig. Es ist wichtig, das die Pflanzen nach ihren Bedürfnissen ausgewählt werden. Nur so kann man gewährleisten, das sie gut wachsen und sich an dem angebotenen Standort wohl fühlen.

 

Foto: Ähriger Ehrenpreis Veronica spiata var. incana in Kombination mit Glockenblume Campanula poscharskyana ‚Silberregen‘ und Gamander Teucrium lucidrys.

Tipp 2: Ein magerer Boden führt zu einer zarten Ausstrahlung

Wuchsfreudigeren Arten bleiben kleiner und auch schwächeren Arten können gut gedeihen, wenn der Boden eher mager ist.

ACHTUNG bei der Verwendung von Graberde. Sie ist nur für starkzehrende Bepflanzungen wie Stiefmütterchen und Co geeignet. Düngegaben sollten möglichst unterbleiben oder nur gezielt vorgenommen werden. Sie sollten auf die Bepflanzung abgestimmt sein.

Weniger ist mehr… beobachte deine Pflanzen ein wenig.

 

Foto: Karpaten Schaumkresse Arabis procurrens , Zwerg-Geißbart Aruncus aethusifolius, Purpurglöckchen Heuchera Arten und die Schneemarbel Luzula nivea im Vordergrund.

Tipp 3: Gieße behutsam

Weniger und richtiges Gießen sollte das Ziel sein. Jedoch ohne, dass die Pflanzen darunter leiden. Lieber einmal durchdringender gießen, als ständig nur ein wenig.

So entwickeln sich die Wurzeln in die Tiefe und bleiben nicht an der Oberfläche. Dort würden sie bei Trockenheit schnell leiden.

Generell begünstigt etwas weniger Feuchtigkeit ein filigranes Wachstum, während eine gute Versorgung mit Feuchtigkeit üppige Pflanzen hervorbringt. 

 

Foto: Die Christrose Helleborus niger und das Purpurglöckchen Heuchera sind etwas kleiner geblieben.

 

Tipp 4:  Die Schere ein wichtiges Utensil in der Pflege

Ein kräftiger Rückschnitt nach dem Blühen ist förderlich für eine zweite Blüte. Die Heidenelke Dianthus deltoides oder die Glockenblume Campanula poscharskyana kannst Du so im Herbst noch mal bestaunen.

Pflanzen, die etwas „rüpelhaft“ wachsen wollen, werden so mit einer Schere kurzerhand in ihre Schranken gewiesen.

Schneiden fördert zudem einen kompakteren Wuchs. Die Kissenaster Aster dumosus bleibt so kleiner im Wuchs. Die unerwünschte Ausbreitung durch Samen kannst du ebenfalls verhindern, indem du das Verblühte rechtzeitig entfernst. Gerade Arten wie Akeleien Aquilegia- Hybriden oder die Christrose Helleborus wollen sich auf meiner Versuchsfläche immer sehr gerne ausbreiten.

Und dann ist der Einsatz einer Schere hilfreich, wenn es um die Vitalisierung von Arten geht.  Den Teppichphlox Phlox subulata oder den Ährigen Ehrenpreis Veronica spiacata var. inacana kannst du durch Rückschnitt dazu bringen, etwas üppiger auszutreiben.

 

Foto: Die Karpaten Schaumkresse Arabis procurrens kann nach der Blüte einen kräftigen Rückschnitt vertragen.

Tipp 5: Das Spiel mit Kontrasten

Du kennst es schon… Harfe und Pauke bringen Spannung ins Beet, so Karl Foerster.

Stell dir vor; das Purpurglöckchen Heuchera, der Wollziest Stachys byzantina in Kombination mit dem filigranen Laub von Festuca glauca oder der Karpatenglockenblume Campanula poscharskyana.

Harfe und Pauke, das geht auch auf kleinen Flächen. So gesellt sich Grobes zu Feinem, etwas Wolliges zu Glattem, Lineares zu etwas Rundem. Es müssen nicht immer die Blütenfarben sein, die das Bild einer Bepflanzung prägen.

Foto: Pfingstnelke Dianthus gratianopolitanus`Badenia´, Karpatenglockenblume Campanula poscharskyana ‚Silberregen‘, Ehrenpreis Veronica spicata var. incana und Gamander Teucrium x lucidrys bilden Kontraste.

Tipp 6: Die Macht der Farben

Die Mischung machts! Ob rot-, silberlaubiges oder immergrünes Blattwerk, die Palette der farbigen Blätter ist vielgestaltig. Blätter wirken vor allem nahezu ganzjährig. Das ist auf so kleinen Flächen, wie es Gräber sind, vorteilhaft.

Je nach Farbkonzept unterstützen Laubfarben die jeweilige Idee und setzten in Kombination mit Blütenpflanzen tolle Akzente.

Ich liebe das herrliche Leuchten von rotlaubigen Purpurglöckchen im Gegenlicht. Besonders toll wirkt es in Verbindung mit blauen Blüten vom Ehrenpreis Veronica spicata var. incana.

Im Schatten sind es vor allem Kombinationen aus weißen Blüten mit panaschiertem Laub. Sie zaubern schöne Lichtreflexe in die Dunkelheit. Die Schneemarbel Luzula nivea und die kleine zierliche Segge Carex conica`Snowline` sind hierfür hervorragend geeignet.

 

Foto: Zwerg-Geißbart Aruncus aethusifolius, Purpurglöckchen Heuchera, Christros  Helleborus niger, der Tüpfelfarn Polypodium vulgare,  die bunte Gänsekresse Arabis ferdinandi-coburgii ‚Old Gold‘, die Weißbunte Zwergsegge Carex conica `Snowline´ . Sie wachsen im Halbschatten bis Schatten und wirken auf einem Friedhof alles andere als dunkel und schwer.

Tipp 7: Wildformen und ungefüllte Blüten sind Insektenmagnete

Es gibt auch unter den Staudenzwergen Insektenmagneten. Wenn du also Schmetterlinge und emsige Bienen beobachten möchtest, kannst du Pflanzen, wie den Storchschnabel Geranium cantabrigiense, Majoran Origanum vulgare oder Thymian Thymus serphyllum verwenden.

 

Foto: in einer gut sortierten Gärtnerei wirst Du ganz bestimmt fündig.

Tipp 8: Ein gutes Bild braucht einen Rahmen

Ein gepflanzter Rahmen aus Stauden wirkt exakt und verleiht deiner Pflanzung einen geordneten Abschluss.

Hierfür haben sich immergrüne, flach bleibende Arten bewährt.

Meine Lieblingseinfassungspflanze ist die Karpatenschaumkresse Arabis procurrens. Schnell hat man sie in Form gebracht und ihre Blütenpracht im Frühjahr ist atemberaubend.

 

Foto: die Karpatenschaumkresse Arabis procurrens umrahmt die Fläche mit immergrünem Laub und weißen Blüten in Frühjahr.

Tipp 9: Viele Pflanzen schließen schnell die Fläche

Viele Pflanzen sind Lichtkeimer. Ist die Bodendecke durch ein Blätterdach geschützt, kannst du unerwünschten Aufwuchs durch Versamen leichter unterbinden.

Hierfür ist eine gute Sortenauswahl und eine wohlüberlegte Bestückung wichtig. Die Fläche soll sich einerseits schnell schließen. Dennoch kommt es auf das richtige Maß an. Pflanzen brauchen natürlich auch ausreichend Raum, um sich artgerecht zu entwickeln. Mit der richtigen Pflanze und durch einen passenden Pflanzenabstand entstehen langlebige, dichte Pflanzenteppiche. Sie schaffen ein pflegeleichtes Grab und das ist ja die Idee.

Foto: Das rote Laub gehört dem Purpurglöchen Heuchera Hybride `Berry Smoothie`. Es leuchtet herrlich in der Gegensonne.

Tipp 10: Probieren geht über studieren

Mit einem Pflanzplan kannst Du überprüfen, ob Deine Ideen ausgewogen sind. So kannst Du Dir auch die Pflanzenbestellung erleichtern.

Wenn Du die Töpfe vor dem Setzen der Pflanzen ausstellst, ist noch eine Feinjustierung möglich.

Das Schöne an Stauden aber ist, dass sie sich auch später immer noch problemlos umpflanzen lassen und Du die Pflanzung jederzeit nachträglich anpassen kannst. 

 

Also trau Dich einfach! Es wird Dir ganz bestimmt Freude bereiten.

Wenn Du Dir allerdings doch etwas unsicher bist, so kannst du auf meiner Homepage Gedenkedein auch fertige und auf Herz und Nieren erprobte Bepflanzungssets kaufen.

Deine Susan Krüger

 

Der letzte Garten ist wahrscheinlich der kleinste Garten. Ja, ich weiß, hört sich äußerst seltsam an.

Aber ist es nicht schön, wenn dieser kleine Garten gerade deshalb die nötige Aufmerksamkeit bekommt. Ein Grab muss nicht düster, langweilig und trist sein.

Es gibt zahlreiche interessante kleinere Pflanzen für ebenso kleine Flächen. Sie kann man genauso spannend zusammenstellen, wie größere Pflanzen auf größeren Flächen. Es ist nur ein anderer Maßstab. Die Gesetzmäßigkeiten Pflanzen zu kombinieren, sind gleich.

Vielen Dank an Susan und Jan Weinreich, der übrigens auch der „Gärtner meines Vertauens“ ist.

Vielleicht interessiert dich auch der Blogartikel Der Gärtner meines Vertrauens

 

Dir wünsche ich einen schönen Herbst, macht das Beste aus der Situation

und bleib natürlich!

Deine Petra

 

 

ROSIGE IDEEN, DIE SCHON 2021 IN DEINEM GARTEN WACHSEN

Ja, ich will üppige Blütenfülle in rosiger Allianz in meinem Garten!

Hier geht es zur Warteliste zum Online-Kurs „Rosen Allianz“.

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