Anfang des Jahres schrieb Dorothea Steffen zu dem aktuellen Thema einen kleinen Artikel in der Facebook Gruppe „Wir sind Staudenfreunde“. Jetzt wollte sie es noch genauer wissen und es folgte gemeinsam mit mir eine kleine Umfrage unter ihren Gruppenmitgliedern (Facebook Gruppe „Wir sind Staudenfreunde“), die bundesweit leidenschaftlich gärtnern.

Über ein Umfrage- Formular wurden drei kurze Fragen gestellt:

  • Was sind die Gewinner- Pflanzen der letzten heißen Sommer in deinem Garten?
  • Was sind die Verlierer- Pflanzen der letzten heißen Sommer in deinem Garten?
  • In welcher Region (Postleitzahl) gärtnerst du?

Klar ist, diese Umfrage ist keine wissenschaftliche Erhebung. Sie ist eher ein kleiner Streifzug durch die Gärten „Land auf und Land ab“. Interessant ist zu sehen, was wo noch gut wächst und nach so einigen heißen und trockenen Sommern gut überlebt hat.

Von vornherein waren zwei Dinge klar; Zum einen, dass es regionale Unterschiede geben wird, weil die klimatischen Bedingungen überall anders sind und auch, dass die Toleranzen der verschiedenen Arten in den Lebensbereichen jetzt fast überall an ihre Grenzen gekommen sind

Das bedeutet; wir müssen nunmehr noch genauer hinsehen, welche die Bedürfnisse die Pflanzen haben, müssen uns noch mehr mit den Herkünften der Pflanzen befassen, um keinen Schiffbruch zu erleiden und kein unnötiges Geld zu versenken.

Welche Pflanzen nun die Gewinner sind,  welche es nun künftig schwer haben und was du tun kannst, wenn auch du liebgewonnene Kanditaten hast, die in trockenen Sommern plötzlich schlapp machen, das ließt du hier:

 

Ich bin Dorothea Steffens und arbeite als  Gartengestalterin im Ruhrgebiet.

In meiner täglichen Arbeit möchte ich Natur und Gartendesign vereinen. Mein Ziel ist es, immer mehr inspririerende Gärten entstehen zu lassen. Diese Gärten tun uns gut und sind gleichzeitig Lebensraum für Tier und Insekten.

Als Vizepräsidentin der Gesellschaft der Staudenfreunde bin ich im Herzen eine große Pflanzenliebhaberin.

Ich bin gern mit Menschen in Kontakt, die diese Leidenschaft teilen. Soziale Netzwerke bieten für diesen Austausch eine ideale Plattform. Deshalb bin ich Administratorin und betreue die Facebook Gruppe „Wir sind Staudenfreunde“.

Aber auch auf Reisen und in meinen Projekten ist mir das Zusammenkommen mit Gleichgesinnten sehr wichtig.

Mich findest du übrigens auf meiner Website Gartenzauber.

 

Klimawandel im Garten; Was bedeutet das?

 

Klimawandel bedeutet nicht, dass es jedes Jahr wärmer und trockener wird. Leider werden immer wieder die Auswirkungen von Wetter und Klima vermischt

Maximilian Weigend, Professor der Biodiversität der Pflanzen sagt dazu:

“ Wetter- und Klimaveränderungen sind weitgehend unabhängig voneinander. Klimawandel stellt die Veränderungen der durchschnittlichen Witterungsverhältnisse dar. Wetter macht sich kurzfristig bemerkbar. Entsprechend bedeutet das nicht, dass sich der Klimawandel abgeschwächt hat, wenn es von Juni bis August 2020 ausreichend regnen sollte.

Also: Es wird auch in Zukunft Frostnächte geben, die bei Obstbauern zu Frostschäden an den jungen Austrieben führen können. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.

Sie müssen sich auf dramatische Veränderungen einstellen. Man wird mit traditionellen Gartenpflanzen zunehmend Probleme haben. Umgekehrt werden Pflanzen, die bislang in Deutschland nicht als winterhart eingestuft wurden, in Freilandgärten ein neues Zuhause finden.Wir werden bei uns zunehmend Pflanzen aus dem Mittelmeerraum kultivieren. Deshalb auch meine Aussage: Palmen statt Buchen.“       

Aus dem General-Anzeiger, Bonn

Foto unten: trockenheitsverträgliche Kombinationen hier im Kiesbeet Hermannshof

Die Ereignisse der Klimaveränderungen gehen rasant voran

Die Ereignisse der Klimaveränderungen gehen rasant voran, am 6.2.20 wurde auf der argentinischen Forschungsstaion „Esperanza Base“ im Norden der Antarktis 18,3 Grad Celsius  gemessen, mehr als je zuvor seit dem Beginn der Messungen. Die Klimaforscher sprechen von „Tipping Point“ und „Tipping Cascades“ und meinen damit den Druck auf ein System, dass lange standhält, dann aber wie ein Dominospiel in sich zusammen fällt, und größeren Schaden mit sich bringt. So z.b. das Auftauen der Permafrostböden.

Die letzten zwei heißen Sommer haben gezeigt , dass auch unsere Gärten vom Klimawandel betroffen sind. Trotz dem täglichen Wässern war es für viele Pflanzen schlichtweg zu heiß. Horstensien und Rhododendron zeigten Sonnenbrand und die Astilben verdürrten wie Papier.

Für Pflanzen und Gärtner war es Steß pur und die Wasserrechnung am Ende des Jahres zeigte auch erschreckende Zahlen auf.

Foto unten: echter Lavendel Lavandula intermedia gerät wieder mehr in den Foccus; er wirkt gut auf Mauerkronen und in Kiesgärten

Diese Pflanzen haben die Trockenheit gut überstanden

Nachfolgend möchte ich aufzeigen, was 33 Gärtnerinnen und Gärtner quer durch Deutschland zu diesem Thema zu sagen haben. Sie beantworten die Frage; Welche Pflanzen sind nun die Gewinner und die Verlierer der letzen beiden Sommer in ihren jeweiligen Gärten sind.

Bei unserer Umfrage wurden folgende Pflanzen genannt;

  • die mediterranen Pflanzen auch als Gewinner bezeichnet, wie Lavendel – Lavandula, Bärenklau – Acanthus, Wolfsmilch – Euphorbia und Bartblume – Caryopteris
  • die Steppenpflanzen, wie Steppensalbei – Salvia, Brandkraut – Phlomis, Purpursonnenhut – Echinacea, Zierlauch – Allium und Gräser wurden genannt.
  • Weitere Pflanzen sind Pflanzen, wie : Färberkamille – Anthemis tinctoria, Mexiconessel – Agastache, Aster – Aster ageratoides, Indigoliupine – Baptisia,  Steinquendel – Calamintha, Nelke – Dianthus, Edeldistel – Eryngium, Kugeldistel – Echinops, Prachtkerze – Gaura, Fackellilie – Kniphofia, Bartiris – Iris barbata, Christrose – Helleborus, Steppendistel – Morina longifolia, Schafgarbe – Achillea, Staychs, Sedum, Teucrium, Yucca und Verbascum.

An Gehölzen wurden oft die Rosen angführt, die ja mit ihren langen Pfahlwurzeln gut in tiefere Bodenschichten dringen können.Berberitzen, Weißdorn und Amelanchier wurden als weitere Gehölze genannt.

 

Als Verlierer stand eindeutig die Hortensie da, dicht gefolgt von Astilben und Phloxe.

Ohne Wassergaben ist ein Überleben, trotz bestem Standort nicht möglich. Selbst das standortgerechte Pflanzen ist hier kein Garant für gutes Gedeihen mehr.

 

Foto oben: eine tolle Kombination mit Blauraute Perovskia und das große Mädchenauge Coreopsis Hybr. `Full Moon`

Foto oben: der Schnurbaum Sophora japonica, ein Baum der gut Trockenheit verträgt

Foto unten: Rosen vertragen so einiges…., hier wurden sie mit dem Reiherfedergras Nasella tenuissima kombiniert, BUGA Heilbronn 2019, Planung Büro Christian Meyer, Berlin

Foto unten: steppenartige Pflanzungen sind schön und vertragen so einiges an Sonne und Hitze. Hier wachsen Edeldisteln, Salbei und Gräser.

Diese Pflanzen haben die Trockenheit nicht gut überstanden

 

Als Verlierer stand eindeutig die Hortensie da, dicht gefolgt von Astilben und Phloxe. Bei diesen Pflanzenarten ist ein Überleben ohne Wassergaben, trotz bestem Standort nicht möglich. Selbst das standortgerechte Pflanzen ist hier kein Garant für gutes Gedeihen mehr.

Auch folgende Stauden wurden von den Staudenfreunden genannt:

Wiesenraute – Thalictrum, Herbstanemonen – Anemone Japonica Hybr., Wasserdost – Eupatorium fistulosum und andere Arten; September- Silberkerzen – Cimicifuga ramosa, Eisenhut – Aconitum und Arten, Sonnenbraut – Helenium Hybr., Leberblümchen – Hepatica, Glockenblumen – Campanula in Arten, Tafelblatt – Astilboides tabularis, Schaublatt – Rodgersia in Arten, Kandelaberehrenpreis – Veronicastrum virginicum  und Kerzenknöterich – Bistorta amplexicaulis.

An Gehölzen wurden Clematis, Buchen, Fichten, Salix, Thuja und vorallem Rhododendron genannt.

Bei dem Japanwaldgras Hakonechloa macra stellten wir regionale Unterschiede fest. In Hannover hat es sehr gelitten, hingegen bei uns im Ruhrgebiet und Ostwestfalen gab es noch keine Trockenschäden.

 

Foto oben: die Hortensie hat den Wasserbedarf ja schon im Namen… Hydrangea Hybriden gehören zu den Gehölzen, die es ohne Wasserzugabe in den künftigen Sommer schwer haben werden

Foto unten: der Sonnenhut Rudbeckia fulgida Goldsturm verträgt leider nicht allzuviel Trockenheit, trockenheitsverträglicher ist alternativ Rudbeckia fulgida var. deamii

Der Dürremonitor zeigt es uns 

 

Anhand des  Dürremonitors des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, kann man deutlich die regionalen Unterschiede erkennen.

Der Osten ist weit mehr von der Dürre betroffen. Die Darstellung zeigt den Dürrezustand des Gesamtbodens, d.h. bis 1,8m Tiefe.

Die rot markierten Flächen zeigen extreme Dürre an und die dunkelroten Flächen sogar außergewöhnliche Dürre.

Hier macht sich schon das kontinentale Klima bemerkbar, im Gegensatz zum Westen, der mehr vom Seeklima oder atlantischem Klima geprägt ist.

Das kannst du nun tun, wenn auch du „Klimaverlierer“ im Garten hast;

  • Mulchen: Eine wichtige Unterstützung zum Erhalt der Bodenfeuchte ist das Mulchen, ob mit Holzhächsel oder Mineralsubstrat. Auch Rasenschnitt, Heu und Moos kann als Abdeckung nützen.
  • Umpflanzen in den Halbschatten. Vielleicht ist da ja noch ein Plätzchen frei.
  • Ersetzten der Lücken durch Pflanzen, die dort mit den Bedingungen esser zurecht kommen

Ein „Klimaverlierer“, den ich noch zum Schluß ansprechen möchte ist der geliebte Rasen.

Wie wird es werden, wenn zukünftig der Wasserverbrauch reglementiert und  man zum sparsamen Verbrauch angehalten wird? Vielleicht wäre ein Kräuterrasen und eine Wildblumenwiese eine zukünftige Alternative?

Ein ökologischer Ansatz in der Gartengestaltung hilft kleine Oasen zu schaffen, die Lebensraum für Tier, Insekten , Amphibien bilden und uns Gärtnern ein Ort zum Entspannen geben. Eine Auswahl von hitzetoleranten Stauden und Gehölzen wird dies unterstützen.

Alle Gärten zusammen sind so groß wie alle Naturschutzgebiete in Deutschland, somit haben wir eine gute Möglichkeit  uns mit einem ökologischen Garten an der Biodiversität der Natur zubeteiligen.

deine Dorothea Steffen

 

Foto unten: verschiedene Zierlauch Arten Allium atropurpureum und Allium aflatunense tanzen mit der rotblühenden Witwenblume Knautia macedonica über die gerade austreibenden Stauden und Gräser.

Vielen Dank Dorothea und auch lieben Dank an alle Gartenfreunde fürs Mitmachen und die spannenden aufschlussreichen Erkenntnisse!

Wenn bisher der Kerzenknöterich oder mein geliebtes Japanwaldgras es in der Sonne gut aushielt…  künftig wird das anders. Es liegt auf der Hand, dass die Pflanzen, die in den Lebensbereichen Sonne mit der „Feuchtezahl 2-3“ zuerst leiden. Wir sollten künftig genauer hinsehen und prüfen, welche Pflanzen tatsächlich für den Pflanzstandort geeignet sind.

Aber kein Grund zur Sorge (jedenfalls in Gartendingen…) In all der Veränderung liegt auch immer eine Chance. Wenn sich das Klima in Richtung Wärme und Trockenheit verschiebt, können wir künftig wahrscheinlich viele andere Pflanzen verwenden, von denen wir vielleicht schon mal geträumt haben. Denk mal an die würzigen und exotisch anmutenden mediterranen Arten.

Lassen wir uns einfach auf die Situation ein. Kämpfen wir nicht nicht mit dem Wasserschlauch dagegen an. Der bessere Weg wäre, wir sehen uns die Pflanzen künftig genauer an und richten uns nach stärker nach ihren Bedürfnissen. Und wir wandeln uns mit der Veränderungen und suchen passende Konzepte für unsere Gärten.

Also es bleibt spannend!

Ich wünsche ich dir eine gute Zeit und auch Pläne!

bleib natürlich und bis bald

Petra

PS.: Und wenn du deinen Garten auf „trocken“ umprogrammieren willst und Unterstützung brauchst, dann habe ich noch folgende Empfehlung für dich:

PS: Wenn du dir einen Garten wünschst, der „trockenheitstauglich“ und trotzdem üppig blühend ist, dann wäre vielleicht mein ONLINE KURS SONNENFLUT etwas für dich.

In diesem Kurs zeige ich dir Möglichkeiten, wie dir dein Garten gelingt (egal wie heiß und trocken der nächste Sommer wird). Du wirst Schritt für Schritt geleitet und planst so dein eigenes Beet.

Hast du Lust drauf? Dann ist das DEIN Weg zum Kurs:

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