Jedes Jahr im Frühling ist die geballte Farbkraft der Rhododendren erneut faszinierend. Wie kleine leuchtende Bollwerke erscheinen die meist kugligen oft sehr großen Blütenbälle an den ledrigen immergrünen Blättern.
In dieser Zeit strömen zahlreiche Besucher in den “Park der Gärten” nach Bad Zwischenahn und staunen über die ungeheure Blütenpracht. Bis zu 2000 Arten und Sorten gibt es hier in den unterschiedlichsten Formen und Farben.
Kein Wunder, das die Rhododendren gerade hier so populär sind. Im Ammerland befindet sich seit den 1920er Jahren das Zentrum der Rhododendronzucht in Deutschland. Nirgendwo sonst findet man diese Vielfalt.
Ich habe Björn Ehsen, Gärtnerischer Leiter im Park der Gärten neulich besucht und wirklich… schon auf dem Weg dorthin, Rhododendren findet man hier überall.
Sie blühen in Vorgärten, man findet sie am Wegesrand, auf den großen Feldern der Baumschulen und natürlich in den großen Rhododendronparks. Sie wachsen beneidenswert gut.
Björn Ehsen stellt uns seinen Park kurz vor und verrät uns Wissenswertes zum Thema Rhododendren.

Das Interesse zu Pflanzen wurde viel früher schon vom Vater, der Hochschullehrer für Pflanzenverwendung in Osnabrück war, geweckt. Als Kind durfte er nach Diktat des Vaters, der Fotos im Berggarten Hannover für Vorlesungen und Vorträge machte, die botanischen Namen mitschreiben – so etwas prägt …
Die erste Stelle nach einem Gartenbau-Studium war 1996 an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau der Landwirtschaftskammer in Bad Zwischenahn. Neben der Leitung der überbetrieblichen Ausbildung gehörte auch die Betreuung des Sichtungsgartens mit typischen „Ammerländer Gehölzkulturen“ dazu, im Wesentlichen die 2000 verschiedenen Rhododendronarten und -sorten.
Bis heute ist er dort als Versuchsingenieur auch für die vielfältigen Gehölzsichtungsversuche verantwortlich.
Seit 2003 ist Björn Ehsen Gärtnerischer Leiter des Parks der Gärten in Bad Zwischenahn. Dieser Park zählt in Deutschland zur größte Mustergartenanlage. Mit einem Schatz von 9.000 etikettierten Pflanzen, ist es ein El Dorado für Pflanzenliebhaber.
Björn Ehsen ist Beiratsmitglied der Deutschen Rhododendrongesellschaft ist er seit über einem Vierteljahrhundert.

Rhododendron – mehr als ein Feuerwerk der Blütenfarben
Wenn im Wonnemonat Mai die Hochblüte der Alpenrosen einsetzt, werden Gärten, Parks und Baumschulen des Ammerlandes zu Touristenmagneten.
In einem wahren Farbenfeuerwerk blühen sie lila, weiß, rosa, rot, orange und gelb und einige von ihnen (besonders die Azaleen) füllen außerdem mit ihrem Blütenduft die Luft.
Seit über zweihundert Jahren wird diese Pflanzengattung hier angepflanzt. Etwa 90 % aller in Deutschland verkauften Rhododendren und Azaleen werden im Baumschulgebiet Ammerland-Ostfriesland herangezogen. Auch wenn sie hier nicht heimisch sind, fühlen sich viele ihrer Sorten bei uns ausgesprochen wohl und gedeihen prächtig.

Bild oben: Die Parklandschaft Ammerland besticht besonders zur Blütezeit ihrer Nationalpflanze.
Wo wachsen Rhododendren?
Die ungeheure Fülle der rund 1.000 Arten von Rhododendron ist auf fast allen Erdteilen zu finden, aber die Vorfahren der bei uns gepflanzten Sorten stammen meist aus regenreichen Bergregionen des Himalajas und Nordamerikas. Daher lieben sie hohe Luftfeuchte und gleichmäßig feuchte, saure Böden. Sie vertragen aber keine Staunässe.
Der für sie gelegentlich benutzte Sammelbegriff „Moorbeetpflanzen“ führt in die Irre.
Die Sortenvielfalt der Rhododendron, von denen es weltweit über 30.000 gibt und zu denen auch die Azaleen gehören, ist riesig.
Im Park der Gärten Bad Zwischenahn, dem Linsweger Rhododendronpark Hobbie, dem Rhododendronpark der Baumschule Bruns in Gristede und vielen anderen großen Sammlungen kann man sich zur Blütezeit leicht ein Bild davon machen.
Im Park der Gärten gibt der „Garten der empfehlenswerten Rhododendren“ einen guten Überblick über die aktuell besten Sorten.


Bild oben: Im Frühsommer entfalten sich die rosafarbenen Blüten und verwandeln die Berghänge in ein Blütenmeer. Rhododendron myrtifolium blüht in den ukrainischen Karpaten.
Bild oben: Rhododendron dauricum wächst in den Altai Bergen. Eine Freude durch die blühenden rosafarbenden Rhododendronzu wandern.


Bild oben: Rhododenron canadense, die Kanadische Alpenrose ist ein laubwechselndes kleines Gehölz für halbschattige Standorte auf saurem Boden. Diese Art ist im Nordosten Nordamerikas heimisch.

Bild oben: Die umfangreiche Rhododendronsammlung im Park der Gärten gibt einen Überblick über fast 200 Jahre Züchtungsgeschichte der Alpenrosen.
Blüten oder Laub – Schmuckwirkung von Rhododendren
Aber nicht nur die Blüte und der Duft mancher Sorten schmücken die Rhododendron. Ihre meist recht großen, immergrünen Blätter sind ebenfalls attraktiv.
Neben gelb- oder weißbunten Blättern gibt es bei viele Sorten einen weißen bis bräunlich befilzten Austrieb (Indumentum), der für eine zusätzliche Zierde nach der Blüte sorgt und auch Schädlinge wie Netzwanzen abhält.
Diese Züchtungen stammen von Arten aus Gebirgsregionen ab und sind im Park im Alpinum den Sommer über zu bewundern.

Bild oben: Der dekorative, filzige Belag an Rhododenron pseudochrysanthum ‘Golfer‘ hält bis zum Herbst.

Bild oben: Rhododendron ponticum`Variegatum` setzt mit dem Laub zusätzliche Akzente im Garten.
Großflächige Pflanzungen in weiträumigen Parkanlagen entsprechen dem Charakter von Großblumigen Rhododendron und entsprechen ihrem natürlichen Vorkommen am besten.
Hier ist eine langfristige Entwicklung möglich, beispielsweise zur auf ihre Fernwirkung bedachte Bepflanzung von raumbegrenzenden Gehölzsäumen.

Bild oben: Ausflugstipp: Im Schlosspark Lütetsburg (bei Norden) blühen die Alpenrosen, wenn andernorts die Hauptblüte fast vorbei ist.

Bild oben: Ausflugstipp: Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Er ist ein ca. 200 ha großer Landschaftspark in Kromlau, Landkreis Görlitz. Eine architektonische Besonderheit ist die 1863 bis 1882 aus Basalt- und Feldsteinen errichtete Rakotzbrücke (Rakotz = sorbisch für Krebs). Zur Rhododendronblüte ist der Park eine Sensation.

Bild oben: Schirmförmige, „aufgeputzte“ Rhododendron bieten vielfältige Möglichkeit der Unterpflanzung, so dass auch aufgekahlte Pflanzen wieder sehr wirkungsvoll aussehen können.
Für kleingliedrige, auch auf Nahwirkung geplante Pflanzungen im Hausgarten eignen sich eher schwachwüchsigere Rhododendron wie die vielfältigen Yakushimanum-Hybriden.

Bild oben: Pflanzung von Yakushimanum-Hybriden im Park der Gärten
Die Blütezeit der einzelnen Sorten beträgt oft nur 2 bis 3 Wochen, gut 11 Monate wirken die immergrünen Rhododendren mit ihrer Blattmasse als sprichwörtliche „grüne Elefanten“ oft nur beruhigend.
Die Blütezeit einer Pflanzung kann durch die Wahl von früh, mittel und spät blühenden Sorten insgesamt verlängert werden.

Bild oben: Auch die Vielfalt der Laubformen der Rhododendron wie hier bei Rh. ponticum ‘Graziella‘ ist beeindruckend.
Rhododendren wachen in der Natur fast immer gesellig, in Gemeinschaft mit anderen Gehölzen und Stauden.
Durch andere Blattstrukturen, -texturen und -farben, z.B. von Gräsern und Farnen lassen sich vielfältige und kontrastreiche, langfristig gut funktionierende Pflanzungen gestalten.


Bild oben: Auch ohne Blüte spannende Kombination von laubschönen Rhododendron mit Rodgersia und Hosta
Bild oben: Andere Ericacea wie der Berglorbeer (Kalmia latifolia ‘Kaleidoscope‘) blühen direkt nach der Hauptblüte der Rhododendron und sind echte Hingucker.

Bild oben: Bodendeckende, nicht zu konkurrenzstarke Stauden wie Epimedium x rubrum harmonieren wunderbar mit Azalea mollis ‘Lemonora‘.

Bild oben: Auch die herbstliche Laubfärbung von sommergrünen (hier: Knap-Hill-Hybride ‘Klondyke‘) und Japanischen Azaleen ist ein wichtiges Gestaltungsmittel.
Am passenden Standort sind Rhododendron recht robust und können weit über hundert Jahre alt werden. Die stark wachsenden Sorten sind allerdings anspruchsvoll an die Nährstoffversorgung, so dass meist eine Düngung notwendig ist.
Hierfür ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Besonders gut eignen sich langsam wirkende organische Dünger. Solange die Pflanzen jung sind, empfiehlt es sich außerdem, vorsichtig die abgeblühten Blütenstände mit der Hand auszubrechen, damit sich keine Fruchtstände bilden. Denn diese binden Nährstoffe, auf Kosten des Triebwachstums und der Blütenbildung fürs nächste Jahr.
Wenn die Pflanzen zu groß werden und das Ausbrechen zu aufwändig, können die Blüten aber auch am Strauch gelassen werden.
(Bild-) Autor:
Björn Ehsen
Park der Gärten Bad Zwischenahn

Falls du noch nicht da warst. Es lohnt sich! Mehr Information: Park der Gärten
Ja, der Park der Gärten ist wunderschön. Da ich in der Wesermarsch wohne habe ich eine Jahreskarte für den Park.Auch in meinem Garten wachsen Rhododendron.Der Artikel von B.Ehsen ist sehr informativ und die tollen Bilder…auch ich fotografiere immer wiederliebe schönen Farbbälle. Danke für den Artikel.
Das freut mich. Jetzt müssen die Rhododendren ja in voller Blüte bald sein. Vielleicht lohnt ja nochmal ein besuch jetzt.
Lieber Herr Ehsen,
haben Sie vielleicht auch ein Patentrezept gegen die Rhododendron-Zikade, die mir jedes Jahr einen Teil der neuen Knospen austrocknen lässt?
Lieber Herr Dr. Hasse, ich habe Herrn Ehsen gefragt. Hier ist seine Antwort;
Ein Patentrezept gibt es leider nicht.
Es empfiehlt sich, zumindest an kleinen Pflanzen im Frühjahr die abgestorbenen, mit Pilzfruchtkörpern („Dreitagebart“) besetzten Blütenknospen herauszubrechen und zu vernichten – nicht in den Kompost geben. Bleiben sie sitzen, können auch noch in den nächsten ein bis zwei Jahren Zikaden schlüpfen, die bei ihrer Eiablage zwischen die Schuppen der Blütenknospen Löcher bohren, durch die Pilzsporen eindringen können, die die Knospen zum Absterben bringen.
Sie sind also der Überträger der Pilzkrankheit, der eigentlich Saugschaden an den Blätter ist zu vernachlässigen.
Gelbtafeln zwischen den Pflanzen zur Bekämpfung der Zikaden bringen wenig und sind sehr unspezifisch, auch viele Nützlinge bleiben darauf kleben. Insektizidmaßnahmen sind ebenfalls zweifelhaft, insbesondere wenn in den benachbarten Gärten auch Zikaden auftreten und dort nichts gemacht wird.
Bei Neupflanzungen empfiehlt es sich, unanfällige Sorten zu wählen. So tritt der Schaden an den filzig behaarten Sorten der Yakushimanum-Hybriden so gut wie gar nicht auf. Auch bei den Großblumigen Hybriden gibt es Sortenunterschiede, wie es langjährige Versuche an der LVG Bad Zwischenahn gezeigt haben. Unempfindlich erwiesen sich z. B. ‘Berliner Liebe‘, ‘Nova Zembla‘ und ‘Progres‘.