Rötlich filigrane Blütenrispen und eine rostrote Laubfärbung bringen das herbstliche Beet zum Leuchten, stahlblaue pfeilgerade Blätter setzen über das Jahr grafische architektonische Akzente.

Rutenhirsen sind fast „Alleskönner“ und mit Recht 2020 Staude oder besser „Gras des Jahres“.

Immer wieder gibt es neue Sorten mit unterschiedlichen Laubfarben, in variablen Größen und Wuchsformen. Sie heißen Cloud Nine, Dalles Blue, Thunder Cloud, Heavy Metal, Shenandoah oder wie eines meiner Lieblinge Heiliger Hain.

Mit der Rutenhirse lässt sich ganzjährig vorzüglich kombinieren. Viele Präriepflanzen aber auch andere Stauden passen zu dem vielgestaltigen Gras. 

Schon früh erkannte das bereits der berühmte Züchter Karl Foerster, als er immer wieder forderte; Gräser gehören in den Garten! Er nannte Gräser das „Haar der Mutter Erde“. Damals pflanzte er Panicum virgatum `Strictum` zu prächtig blühenden Herbstastern. Eine Kombination die scheinbar zeitlos ist und immer noch passt. Das sich mal gelblich, mal rötlich färbende Gras passt vor allem vorzüglich allen herbstblühenden Stauden.

Die Rutenhirse ist ein Warm Season Gras

 

Die Rutenhirse kommt aus Nordamerika. Wie auch Gräser aus anderen Regionen der Erde, wie Chinaschilf (Miscanthus), Lampenputzergräser (Pennisetum), Tautropfengras (Sporobolus) oder Pampasgräser (Cortaderia) gehört es zu den Warm- Season Gräsern. Im Gegensatz zu den Cold -Season Gräser haben die genannten Gräser einen anderen Wachstumsrhythmus. Sie treiben erst spät im Jahr aus, blühen im Hochsommer. Dann aber erreichen sie ihre volle Größe und laufen bis zum Herbst zur Höchstform auf.

Man könnte denken, sie wachsen dann im Herbst noch. Das ist jedoch nicht der Fall. Am Ende des Jahres gehen sie in ihrer Entwicklung in eine Ruhepause. Das bedeutet, es entwickeln sich bis zum Frühjahr keine neuen Wurzeln an dem Gras. Deshalb ist es ratsam, das Gras lieber im Frühjahr zu pflanzen.

Übrigens; Rutenhirsen benötigen einen sonnigen Standort und wachsen besonders in einem frischen Boden, der sandig bis lehmig sein kann. Vor allem aber sollte der Boden durchlässig sein. Staunässe oder nasse Böden mögen die Gräser nicht.

Einige im Handel verbreitete Rutenhirsen möchte ich hier nennen; Panicum virgatum `Strictum`, Panicum virgatum `Shenandoah`, Panicum virgatum `Rehbraun`, Panicum virgatum `Külsenmoor`, Panicum virgatum `Hänse Herms`...

Weitere Sorten sind hier nachfolgend vorgestellt:

 

Panicum virgatum `Northwind ` – die hohe bis zu 1,80m hohe Sorte ist eine hervorragende Sichtschutz- und Akzentpflanze. Sie stammt aus der amerikanischen `Northwind` Gärtnerei. Robust, raschwüchsig mit einer gelben Herbstfärbung.

Panicum virgatum `Heiliger Hain`– ist aufgrund der blauen Belaubung mit zum Teil kräftig roten Balttspitzen äußerst attraktiv. Mit der Höhe von 1.00m ist es eher eine kleine Sorte. Wie auch die anderen Sorten blüht das Gras von Juli bis September.

Panicum virgatum `Heavy Metal`- wurde in den USA ausgelesen. Das Gras hat bläuliches Laub und wächst straff aufrecht. Die Sorte ist standfest und trockenheitsverträglicher als die anderen Sorten.

Panicum virgatum `Dallas Blue`– hat breitere Blätter . Eine 1,80m hohe Sorte, die sich als Sichtschutz oder Solitär verwenden lässt. Sie hat auffallend violett getönte Blütenrispen und eine leuchtend gelbe Herbstfärbung.

Panicum virgatum `Cloud Nine`– ist eine große Blütenwolke, die sich in 1,40m bis 2,00 über dem bläulichen Laub erhebt. Der Wuchs ist trichterförmig, so lässt sich das Gras platzsparend im Beet integrieren. Die Sorte ist standfest.

Panicum virgatum `Prairie Sky` –  dieses Rutenhirse wächst straff aufrecht und hat bläuliches Laub. Mite einer Höhe von bis zu 1,50m gehört dieses Rutenhirse zu den mittelhohen Sorten. Die Herbstfärbung ist gelb.

Bild oben: In Nordamerika sah ich in der Hochgrasprairie diese Kombination aus Panicum virgatum und Ratibida pinnata, dem Präriesonnenhut

So überbrückst du den späten Austrieb der Gräser

 

Da die Warm – Season Gräser spät austreiben, bleibt im Frühjahr der Boden lange nackt und kahl. Hier sind Blumenzwiebel eine willkommende Blütenpracht.

Ich verwende generell viele nordamerikanische Stauden und Gräser. Sie haben den Nachteil, dass sie spät austreiben aber den Vorteil, dass sie bis zum Ende des Jahres gesundes und ansehnliches Laub haben.

Den Nachteil des späten Erwachen, kann man mit dem großzügigen Einbringen von Blumenzwiebeln wett machen.

Dann blüht es üppig.

Ein ganzes Füllhorn farbenfroher Blüten lässt sich auf den kahl bleibenden Flächen ausbreiten; Krokus, Narzissen, Frühlingsanemonen, Blausterne, Schneeglanz.

Eigentlich eignet sich alles, was freiwillig gut wächst und sich vermehrt. Selbst Arten wie, Zierlauch und Camassia verlängern die Blüte bis in den Juni. Sie stehen dann schon zwischen dem Gräserlaub, das inzwischen ausgetrieben ist.

Später verschwindet das langsam vergehende zunehmen unansehnlich werdende Blumenzwiebellaub, während die Gräser und Stauden austreiben und immer üppiger werden.

Ich verwende ca.15-20 St. pro qm und teile sie in unterschiedliche Arten auf. Es mutet fast unanständig an, wenn ich im Herbst mit riesigen Schwüngen die Blumenzwiebeln verteile. Dort wo sie herunterfallen, werden sie eingepflanzt. Das gibt ein natürliches Bild.

Geeignet sind:

  • kleine Wildtulpen wie Tulipa clusiana, Tulipa tarda, Tulipa praestans
  • Kleine Narzissen, wie Narcissus triandrus `Hawera`, Narcissus jonquilla `Baby Moon`
  • Große Narzissen, wie Narcissus `Ice Follies` oder Narcissus `Dutch Master`
  • Krokusse, wie Crocus vernus in Sorten aber auch Crocus chrysanthus oder Crocus tommasinanus
  • Allium wie, Allium aflatunense, Allium christophii, Allium atropurpureum, Allium nigrum und viele andere
  • Die weiße Anemone blanda `White Splendour` oder die blaue Anemone blanda `Blue Shades`
  • Die blauen und weißen Prärielilien, wie Camassia quamash die im Mai blüht oder die Camassia leichtlinii, die im Juni zur Hochform aufläuft
  • Der Schneeglanz Chionodoxa forbesii in Weiß, Rosa und Blau
  • Der Winterling Eranthis hyemalis in Gelb
  • Das spanische Hasenglöckchen Hyacinthoides hispanica in verschiedenen Farben

Übrigens, wenn du Näheres über Blumenzwiebeln wissen möchtest, dann lies auch die Blogartikel auf meiner Seite:

Blumenzwiebeln zum Verwildern und Allium – Zierlauch im Garten

 

Im Laufe meiner Arbeit mit Pflanzen sind viele Kombinationen mit der Rutenhirse entstanden. Oft sind es großräumige Pflanzungen. Für den Garten funktionieren die Kombinationen generell genauso.  Hier möchte ich ein paar Beispiele zeigen:

 

Fotos unten: anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Donbass Arena in Donezk entstand auf dieser Fläche (10.000qm) eine Pflanzung mit Stauden in den Vereinsfarben von Shaktar Donetzk. Die kräftigen Farben der Hochstauden, wie Sonnenbraut, Sonnenhut und Staudensonnenblumen wurden durch Rutenhirse Panicum virgatum gemildert. 

Grandioses Linienspiel zarter Blätter und duftige Blütenwolken

 

Bereits der Austrieb der Gräser im Frühsommer kann sehr schön sein. Dann zeigen sich bereits die roten oder blaue Spitzen der jeweiligen Sorten. Mit anderen Stauden zaubern Rutenhirsen einen schönen Frühsommeraspekt ins Beet.

Im Herbst sind Rutenhirsen absolut spektakulär. Zarte Rispen bringen die größeren, klar abgegrenzten Blütenformen von Sonnenhüten, Fetthennen oder Astern so richtig zur Wirkung. Sie heben sich von dem diffusen Blütenschleier ab.

Das sich langsam färbende Laub wirkt warm und leuchtend. Manchmal korrespondiert das rötliche Laub mit der Herbstfärbung der Gehölze. Dann hat man einen spektakulären Indian Summer im eigenen Garten.

 

 

Eine kleine Auswahl von Stauden als Begleiter

  • Herbstastern, wie Aster pringlei `Pink Star`, Aster novae angliae, Aster herveyi `Twilight`, Aster oblongifolius `Oktoberskies`
  • Sonnenhüte, wie Rudbeckia fulgida var. deamii, Rudbeckia maxima, Rudbeckia missouriensis, Rudbeckia nitida, Rudbeckia subtomentosa
  • Vernonien, Vernonia crinita
  • Boltonia, Boltonia asteroides `Snowbank`
  • Goldruten, Solidago caesia, Solidago rugosa `Fireworks` oder die kleine Solidago sphacelata `Golden Fleece`
  • Mexiconessel, Agastache rugosa
  • Wasserdost, Eupatorium fistulosum

Foto unten: Kühle Töne bestimmen den Charakter der Kombination. Hier habe ich Purpursonnenhut Echinacea tennessiensis, die amerikanische Bergminze Pycnanthemum, die Blauraute Perovskia arbotanoides mit einer Rutenhirse Panicum virgatum Heavy Metal kombiniert.

BUGA Gera Ronneburg 2007

Foto unten: ebenfalls in kühlen Farben ist diese Kombination auf der ega in Erfurt. Hier blüht die Rutenhirse Panicum virgatum `Heiliger Hain`mit Herbstanemonen Anemone `Pamina`und Herbstastern.

Foto unten: Rutenhirsen, hier Panicum virgatum `Heiliger Hain`mit weiß blühenden Stauden, wie der Purpursonnenhut Echinacea purpurea `Alba` und anderen…

Foto unten: Chinaschilf Miscanthus sinensis und Rutenhirse Panicum virgatum hier mit weißer Herbstanemone `Honorine Jobert`, Prachtkerze Gaura lindheimeri sowie Purpursonnenhut Echinacea purpurea.

IGA Rostock 2003

Foto unten: Zwei zarte Gräser, zum einen die Rutenhirse Panicum virgatum und die Rasenschmiele Deschampsia bilden den Hintergrund für eine Vielzahl von Sonnenblüten, wie Sonnenhut Rudbeckia fulgida var. deamii und der weiße Purpursonnenhut Echinacea purpurea `Alba`. Hier wirken eher Formenkontraste als die Blütenfarbe. Die klar umgrenzten Blüten zeichen sich vor dem diffusen Hintergrund besonders gut ab.

IGA Rostock 2003

Fotos (die nächsten drei…): Das Prinzip – diffuse Blüte – größere klar abgegrenzte Blüte habe ich auch hier angewandt. Auf der IGS Hamburg 2013 habe ich Zinnien und einjährige Rutenhirse Panicum virgatum `Fountain`verwendet. Ich habe sie mit Dahlien, Sommermageriten, Hohe Verbenen und Zinnien kombiniert.

Die drei folgenden Fotos: Ferdinand von Luckner

Foto unten: zum Ende der Gartenschau im Oktober verblassen die Farben und tauchen die Gräser in unterschiedliche Farben und manchmal auch in einen warmen Honigton. Hier blühen Chinaschilf, Rutenhirse und die Scheinaster Boltonia asteroides `Snowbank`.

IGA Rostock 2003

Wintersilhouette der Rutenhirsen und Begleitstauden

 

Im Winter reduziert sich der Garten auf das Wesentliche. Wenn die satten, kräftigen Farben des Hochsommer verblassen und sich in leisere Farbtöne verwandeln, treten Formen und Strukturen stärker hervor. Viele Pflanzen verlieren ihre Blätter. Nach und nach verdünnt sich das Laubwerk im Garten.

Ich liebe diese Melancholie. Das Szenario im Garten wandelt sich; einst umhüllte Stängel liegen plötzlich frei. Aus farbenprächtigen Blüten werden kompakte, quirlige oder länglich gebogene Samenstände in den unterschiedlichsten Braunschattierungen.

Eintretender Nebel, Raureif oder Schnee lässt zauberhafte Silhouetten in zarter Zerbrechlichkeit entstehen. Noch immer vermittelt der unaufdringliche Charme zarter Rutenhirsen einen Eindruck spielerischer Leichtigkeit.

Die Halme färben sich in warmes Ocker- und Goldgelb. Die zarten, wolkigen Blütenstände stehen im Kontrast dazu.

Die Warm Season Gräser behaupten sich generell besser gegen Wind und Winternässe. Sie wirken noch länger attraktiv. 

Als ruhiger Hintergrund wirken die linearen, ockerfarbenen Strukturen der Gräser für jene Stauden, die mit ihren unterschiedlich ausgeprägten Wuchsformen und Samenständen ihre ganz eigene Grafik entfalten.

Wenn du jetzt – der Ordnung zuliebe – zu früh abgeschnitten hat, bringst du dich um diese ganz besondere Ästhetik. Der Samenstand bewahrt den wesentlichen Charakter des Blütenstandes und somit den Charakter der Pflanze. Wie ein Schatten zeichnet er nach, was längst Erinnerung ist. Die Farbe spielt keine Rolle mehr.

Die kugeligen Knöpfchen des Sonnenhutes Rudbeckia fulgida var. deamii in großen Flächen wirken grafisch und schaffen mit den Rutenhirsen wirkungsvolle Kontraste und werden durch sie umschmeichelt.

Bist du auch ein Gräser – Fan und schwärmst für die Rutenhirse. Dann plane jetzt die Frühjahrspflanzung für dieses schöne filligrane Gras. Es gibt viele Sorten kleine und große, straff aufrechte und bogig überhängende, blaue und grüne Typen und solche mit rot färbenden Spitzen.

Hier findest du mehr Informationen beim Bund Deutscher Staudengärtner. Er hat das Gras zur Pflanze des Jahres 2020 erklärt. Hier geht es zum Artikel des BdS!

Und noch mehr zum Thema Gräser findest du auf meinem Blog. Klick doch mal vorbei:

Mode aus dem Gräserbeet

Zarte Gräser im sonnigen Garten

Bis zum nächsten Mal und eine schöne Gräserzeit!

Bleib natürlich

Petra

 

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