Braune Ödnis statt üppiger Blütenpracht?

Mit diesen Pflanzen für den trockenen heißen Standort blüht Dein Garten schnell wieder auf.

Oh wie elegant und zart Gräser sind! … dachte ich neulich noch, als ich den herbstlichen ega Gräsergarten Erfurt durchstreifte. Seltsamerweise, bei einem zweiten Blick fand ich einige Gräser plötzlich auch ziemlich dominant. Trotz ihres filigranen Laubes ragten sie schon von Weitem sehr stattlich aus dem Beet und ihre silbrigen Blütenfahnen leuchteten in der warmen Abendsonne. Zartheit und Eleganz auf der einen Seite – eine grandiose, stattlich Wirkung einiger Arten auf der anderen. Das ist es wahrscheinlich, warum Gräser so beliebt sind. Sie sind variabel einsetzbar und bringen eleganten Naturcharme in unsere Gärten.

Insbesondere zu Stauden, Gehölzen oder Sommerblumen wirken Gräser als Weichzeichner und setzten mal flächig, in Gruppen oder einzeln als Solitär natürliche Akzente. Jetzt im Herbst laufen einige Arten zur Hochform auf. Sie blühen dann mit duftigen Blütenwölkchen,  leichten Federn oder schmalen Rispen. Sie schmieden prächtige Allianzen mit herbstblühenden Stauden oder laubfärbenden Gehölze.

Jetzt im Herbst kannst Du diesen Anblick in vollen Zügen genießen. Erst im nächsten Frühjahr kannst Du Gräser teilen, umpflanzen oder schneiden. Auch die beste Pflanzzeit ist das Frühjahr. Deshalb mein Tipp für einen grandiosen Gräsergarten:

im Herbst genießen – im Winter Pläne schmieden – im Frühjahr Gräserideen umsetzten

Hier findestDu Tipps für ein gelungenes Gräserbeet:

  • Gräser und der richtige Standort

Gräser sollten nach ihren Bedürfnissen ausgewählt werden. Bevor man sich für die eine oder andere Art entscheidet, sollte man klären, ob sie an dem vorgesehenen Standort gut wächst. Dabei spielen Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit oder Bodenfeuchte eine wichtige Rolle. Die meisten sonnen liebenden Gräser benötigen einen durchlässigen, nährstoffarmen Boden. Steppengräser lieben es sogar noch karger. Ein Boden, der mit Sand abgemagert wurde, ist für diese Hungerkünstler ideal.

  • Die 5 besten Tipps für die Auswahl von Ziergräser

  1. Den richtigen Standort auswählen! Das ist das Wichtigste überhaupt. Falsche Lebensbedingungen führen dazu, das die Gräser nicht nur schlecht wachsen, sie sind auch anfällig gegenüber von Krankheiten und Schädlingen.
  2. Es gibt für jeden Standort das richtige Gras. Auch ausläufertreibende Gräserarten, wie der Strandhafer oder das Goldbandgras sollte man nicht verdammen.  Gibt es einen abgegrenzten Wurzelraum, zum Beispiel zwischen Betonflächen, dann sind diese Arten ideal. Ansonsten können solche Arten in einem Gräser oder Staudenbeet Ihnen das Leben schwer machen. Dann solltest Du lieber verzichten. Wähle horstbildende Gräserarten. Sie bleiben am Platz und werden lediglich durch kurze Ausläufer von Jahr zu Jahr breiter aber auch oft schöner. Hierzu zählen. die Rutenhirse, das Pfeifengras, der Blaustrahlhafer und andere mehr.
  3. Auf Versamung achten. Sich versamende Arten kannst Du zwar ebenfalls verwenden. Hierbei ist zu beachten, das Du lieber rechtzeitig die Samenstände abschneidest. So wird der Ausbreitungsdrang durch Versamung nicht allzu lästig. Hierzu gehören Arten wie die Rasenschmiele, das Diamantgras, das Perlgras.
  4. Standfeste Gräser auswählen oder weniger düngen? Stehen Gräser in zu nahrhaften Böden, dann wachsen sie zu sehr in die Höhe und kippen dann auseinander. Die Nährstoffe beeinflussen die Standfestigkeit. Es gibt innerhalb einer Gattung zum Beispiel bei Rutenhirsen (Panicum) standfeste und weniger standfeste Sorten. Hier solltest Du nochmal bei einem Fachmann nachfragen.
  5. Die Frosthärte beachten. Die meisten hier verwendeten Gräser sind frosthart. Dennoch gibt es Gräser, die sich an der Grenze der Frosthärte bewegen. Dazu gehören das Pampasgras, oder das Blutgras. Diese Gräser wachsen in einigen milden Gegenden. Wohnst Du jedoch in einem frostgefärdeten Landstrich, sollte  dieser Umstand berücksichtigt werden. Wobei ich immer für ein Ausprobieren plädiere.
  • Wann pflanze ich Gräser?

Für alle Gräser ist der beste Zeitpunkt für eine Pflanzung im Frühjahr. Optimal ist es vor einem Regentag. Kurz bevor sich der Blattaustrieb zeigt, können Gräser übrigens auch geteilt und umgepflanzt werden.

  • Wie weit pflanze ich Gräser auseinander?

Der Abstand zu anderen Pflanzen ist entscheidend für die Langlebigkeit der Gräser. Pflanzt man anfänglich zu eng, muss man die Gräser früher wieder teilen. Außerdem sieht eine zu enge Gräserpflanzung nicht ansehnlich aus, da sich die überhängenden Halme gegenseitig kreuzen und behindern. Wer es gleich etwas fülliger mag, sollte zunächst nicht zu raumfüllende einjährige Sommerblumen dazwischen pflanzen. Sie haben eine Funktion auf Zeit bis sich die Gräserfläche geschlossen hat. Für die flächige Gräserpflanzung oder die Pflanzung in Gruppen empfehle ich meist 2-4 Pflanzen pro Quadratmeter bei mittleren Arten, 1 Pflanze bei hohen Arten und bei niedrigen etwa 8-10St. pro Quadratmeter.

  • Wie pflanze ich Gräser ein?

Ist der Ballen trocken, sollten Gräser vor dem Pflanzen nochmal in einen Wassereimer getaucht werden. So können sie sich vollsaugen. Passt der Standort, kann gepflanzt werden. Hierzu grabe ein Pflanzloch mindestens so tief wie der Topfballen hoch ist. Zu tief sollte nicht gepflanzt werden. Zu hoch darf aber auch nicht gesetzt werden, da die Wurzeln sonst Luft ziehen und die Pflanze vertrocknet. Ob es geregnet hat oder nicht, frisch gepflanzte Gräser müssen gründlich angewässert werden. Erst wenn der Boden gut durchfeuchtet ist, ist ein erfolgreiches Anwachsen gewährleistet.

  • Wie pflege ich Gräser?

Eigentlich gibt es zur Pflege von Gräsern gar nicht so viel zu sagen. Gräser sind ziemlich anspruchslos. Dennoch gibt es einige wenige Punkte;

Insbesondere im ersten Jahr nach dem Pflanzen soll der Boden gleichmäßig feucht gehalten werden. Allerdings soll man Staunässe vermeiden, da die Gräser insbesondere die trockenheitsliebenden Arten faulen können. Zu Beginn empfiehlt sich eine Startdüngung mit organischem Dünger oder Humus.

Gräser schneidet man im Frühjahr zurück. Der Zeitpunkt ist dann richtig, wenn die ersten grünen Triebe zu sehen sind. Bis dahin Zeitpunkt dient das vertrocknete Laub noch als Winterschutz. Bei höheren Arten wird radikal zurück geschnitten. Wir empfehlen eine Handbreit über den Boden bis max. 15cm. Beim Rückschnitt sollten möglichst keine neue Austriebe entfernt werden. Haben die Gräser bis zum Boden morsche Grasteile, sollten diese Platz machen für frisches neues Grün. Sie sollten entfernt werden. Niedrige Gräser benötigen keinen radikalen Rückschnitt.

  • Wie überwintere ich Gräser?

Die meisten Gräser benötigen keinen Winterschutz, denn sie sind großteils winterhart. Das eigene Laub schütz vor Winternässe, Sonne und Kälte. Es gibt aber Ausnahmen, wie das Pampasgras. Diese Art sollte im einfach oben und mittig mit einer Schnur zusammengehalten werden. Es ist ein Schutz  und verhindert das Auseinanderdrücken durch nassen Schnee.

Gräser für trockene sonnige Standorte

  • Achnatherum calamagrostis Algäu – Silberährengras
  • Calamagrostis acutiflora Karl Foerster – Reitgras
  • Cortaderia selloana Pumila – Pampasgras
  • Festuca mairei – Atlasschwingel
  • Melica ciliata – Perlgras
  • Stipa gigantea – Riesenreiherfedergras
  • Stipa pulcherima fo. nudicostata -Reiherfedergras
  • Pennisetum alopecoroides Hameln – Lampenputzergras
  • Pennisetum orientalis Tall Tails – Orientalisches Lampenputzergras
  • Sesleria autumnalis-Herbstkopfgras

Gräser für frische sonnige Standorte

  • Calamagrostis arundinacea brachytricha – Diamantgras
  • Hakonechloa macra – Japanwaldgras
  • Miscanthus sinensis Gracillimus – Chinaschilf
  • Molinia arundinacea Transparent – Hohes Pfeifengras
  • Molinia caerulea Edith Dutzus – Kleines Pfeifengras
  • Panicum virgatum Heiliger Hain – Rutenhirs
  • Panicum virgatum Northwind – Hohe Rutenhirse
  • Pennisetum viridescens Black Beauty – Lampenputzergras
  • Sesleria autumnalis-Herbstkopfgras
  • Spodiopogon sibiricus West Lake – Zottenrauhgras

Gräser für feuchte sonnige Standorte

  • Molinia arundinacea Transparent – Hohes Pfeifengras
  • Molinia caerulea Edith Dutzus – Kleines Pfeifengras
  • Spartina pectinata Aureomarginata – Goldbandleistengras
  • Spodiopogon sibiricus West Lake – Zottenrauhgras

Gräsergarten ega Park in Erfurt

Die Umgestaltung des denkmalgeschützten Gräsergarten im ega Park Erfurt (2014) war ein gemeinschaftliches Projekt zwischen uns und dem Landschaftsarchitekturbüro Ihle aus Weimar.

Auf einer Fläche von 2.500 m² entstand ein Garten, der das breite Spektrum an Ziergräsern (70%) in passen Kombinationen mit Stauden (30%) zeigt. Ausgesucht wurden Arten für die Sonne, für den Schatten, für feuchte und für trockene Standorte. Zu sehen ist auch das kleinste und das größte Gras. Verwendet wurden die Gräser mal flächig, mal in Gruppen oder einzeln als Solitär. So gibt es für die Besucher viele Anregungen, die sie auch im eigenen Garten anwenden können.

Der Garten steht wie der gesamte ega Park unter Denkmalschutz und hatte schon früher ein Wasserspiel, allerdings waren es damals Wasserschalen. Im Zuge der Neugestaltung wurde aus der Idee eine Nebelanlage. Aus feinen Nebeldüsen treten in regelmäßigen Intervallen feine Nebelschwaden und überziehen die Blüten- Gräserlandschaft. Aufgrund des feuchten Umfeldes musste die Bepflanzung entsprechend sein. In unmittelbarer Umgebung der Düsen wurde das Diamantgras (Achnatherum) Calamagrostis brachytricha gepflanzt und viele großblättrige, feuchtigkeitsliebende Stauden, wie das Tafelblatt, das Schildblatt, die Sumpfwolfsmilch und Mädesüß. Sie schaffen Blattkontraste zu den filigranen Gräser. Eine lange Pergola teilt den Garten. Dort stehen Bänke auf denen man sich ausruhen kann.

Hinter den Kulissen des Gräsergartens im ega Park…

Nachfolgend sehen sie den Pflanzplan, das heisst die Flächeneinteilung (erstmal ohne Pflanzen). Die roten Linien sind die einzelnen Pflanzflächen und die Rasterung entspricht jeweils einem Quadratmeter.

Sicherlich ist der Gräsergarten im ega Park ein Großprojekt. Großzügig pflanzen kannst Du jedoch im kleinsten Garten. Nur Mut und keine Angst vor großen Stückzahlen. Wir verwenden pro Quadratmeter 5-7 Stauden und 1-6 Gräser, je nach Größe und Art.

Generell sei abschließend gesagt, das es jetzt Zeit ist nochmal genauer hinzusehen. Die Gräser sind im Garten jetzt am schönsten. Diese Eindrücke kannst Du mit in den Winter nehmen und wenn Du möchtest Pläne schmieden. Im Frühjahr ist die beste Zeit für das Anlegen eines Gräsergartens. Dann kannst Du die Gräser schneiden, teilen oder umpflanzen und eine neue Gräseridee nimmt Formen an.

Und wenn Du möchtest, hole dirdoch am besten hier einige Inspirationen:

*Mit Gräsern gestalten: Traumhafte Beetideen mit Gräsern und Blütenstauden von Bernd Hertle

*Gräser: Auswahl • Pflege • Gestaltung von Howard Rice und Fiona Hopes 

*Gräser im Garten: Gestaltungsideen, Pflanzenporträts und Pflege von Katharina Adams und Petra Pelz

 

Viel Spaß beim planen

deine Petra 

 

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